Von Veranstaltungen zur Schulsozialarbeit

Franziska Hinterding hat im Mai ihre neuen Stelle an der Oberschule Neuenkirchen-Vörden angetreten.
Die 28-Jährige profitiert von einer zweiten Ausbildung. Ganz wichtig ist ihr das Vertrauensverhältnis.

Ein Bericht von K. – P. Lammert aus: Oldenburgische Volkszeitung vom 11. Juli 2020

Eine wichtige  Mitarbeiterin:  Schulleiter  Michael lmsieke ist froh, dass Franziska Hinterding ihn und das Kollegium nicht nur in der Betreuung von Kindern unterstützt, die Sorgen haben.                                                                           Foto: Lammert

Neuenkirchen-Vörden. „Schulsozialarbeit wollte ich schon immer machen.“ Nun, nach einem kleinen, aber für ihre Erfahrungen gewiss sehr wertvollen Um­ weg ist Franziska Hinterding endgültig am Ziel angekommen. Seit Anfang Mai ist sie als Schulsozialarbeiterin in der Ober­ schule· Neuenkirchen-Vörden tätig. Der Berufsstart noch in einem von den Folgen der Corona-Pandemie geprägten Schulalltag war ein eher außergewöhnlicher. Doch inzwischen kehrt ein bisschen mehr schulische Normalität ein.

Zum Start an der Oberschule brachte die 28-Jährige Schulsozialarbeit-Erfahrungen aus ihrem staatlichen Anerkennungsjahr an der Justus-von-Liebig-Schule in Vechta mit. Das hatte sie aber nicht direkt nach dem Abschluss ihres Studiums der Sozialen Arbeit in Vechta absolviert. „Nach dem Examen wollte ich noch mal etwas anderes machen“, sagt Franziska Hinterding. Sie absolvierte eine zweijährige Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau und arbeitete anschließend noch ein Jahr in diesem Beruf. Dann zog es sie zurück in den Bereich der sozialen Arbeit.

Trotzdem war die Tätigkeit in der Veranstaltungsbranche keine verlorene Zeit. Die in Schwichteler aufgewachsene Hinterding profitiert von den zusätzlichen Erfahrungen etwa bei der Berufsberatung. „Außerdem muss ich als Schulsozialarbeiterin  auch  Veranstaltungen organisieren, so im Bereich der Prävention“, erklärt sie. Und warum wollte sie in die Schulsozialarbeit? Die sei hinsichtlich der Aufgaben breit gefächert, lautet die Antwort. Sie arbeite eben nicht nur mit den Schülerinnen und Schülern, sondern auch mit deren Eltern, den Lehrkräften und externen Stellen wie Berufsberatern zusammen.

Anfangs stand allerdings der Kontakt zu den Lehrern im Vordergrund, weil viele Schüler noch zu Hause waren. Noch bevor Franziska Hinterding ihre Stelle antrat, kehrten am 27. April die fünf  Abschlussklassen  aus  dem schulischen  Lockdown  wegen Corona zurück. Es folgten nach Worten des Schulleiters  Michael Imsieke am 18. Mai die beiden Realschlussklassen des Jahrgangs neun, am 3. Juni die Jahrgänge sieben und acht sowie am 15. Juni die fünften und sechsten Klassen – allerdings alle immer nur in halber Besetzung. Die andere Hälfte der Klasse bleibt zu Hause.

Franziska Hinterding arbeitete so zunächst mit den Abschlussklassen zusammen, half zum Beispiel bei Bewerbungsschreiben und übte mit Jugendlichen  Vorstellungsgespräche.

Schon bald folgten erste Hausbesuche bei Schülern, zum Teil auf Anregungen von  Lehrern hin, zum Teil, weil Eltern darum gebeten hatten. Derzeit ist eine andere Aufgabe die Pausengestaltung für die Fünft- und Sechstklässler, in die sie eingebunden  ist.

Eine der wichtigsten Aufgaben ist die, Ansprechpartnerin für die Kinder und Jugendlichen zu sein, wenn sie Probleme haben. Es sei, sagt Franziska Hinterding, nicht in allen Fällen leicht, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen: „Manche Schüler kommen von selbst, andere sind zurückhaltend.“

„Die Schüler können mich bei Krisen jederzeit zur Einzelberatung aufsuchen“, betont die Schulsozialarbeiterin. Im Zusammenhang mit den Gesprächen gilt für sie eine absolute Schweigepflicht. Sollte sie, sagt sie dazu, aber das Gefühl haben, dass ihre Hilfe allein für einen Schüler nicht ausreiche, dann schlägt sie vor, zusätzliche Gespräche etwa mit Lehrern oder den Eltern zu führen. Die fänden aber nur statt, wenn der betroffene Schüler einwillige. Da­ rauf könne sich jeder Jugendliche verlassen. Schweigepflicht. Sollte sie, sagt sie dazu, aber das Gefühl haben, dass ihre Hilfe allein für einen Schüler nicht ausreiche, dann schlägt sie vor, zusätzliche Gespräche etwa mit Lehrern oder den Eltern zu führen. Die fänden aber nur statt, wenn der betroffene Schüler einwillige. Da­ rauf könne sich jeder Jugendliche verlassen.

Vertrauen sei die grundlegende Basis dafür, dass sich die Kinder und Jugendlichen an Franziska Hinterding wenden, sagt Michael Imsieke. Wenn das Vertrauensverhältnis einmal gestört sei, lasse sich der entstandene Schaden nie mehr kitten.

Für den Schulleiter ist die ab 1. August vom Land zu einer ganzen Stelle umgewandelt Stelle der Schulsozialarbeiterin unbedingt erforderlich. „Wir brauchen sie als Unterstützung“, erklärt der Rektor. Immer mehr Kinder hätten Sorgen und Nöte, auch wegen des familiären Umfeldes, weil sich zum Beispiel die Eltern getrennt haben. Zudem leiste Franziska Hinter­ ding eine wichtige Arbeit bei der Betreuung der Migrantenkinde(und ihrer Familien. Nicht zuletzt sei sie auch eine Schnitt­ stelle zwischen der Schule und Behörden wie dem Jugendamt und  der  Gemeinde.

Darüber hinaus arbeitet Franziska Hinterding an einer Planung für das kommende Schuljahr. Das gestalte sich schwierig, weil es eine große Unsicherheit gibt, wie es in den Schulen weitergeht. Aber einige Termine, wie zum Beispiel die für die Berufsberatung, stehen fest.